Oberfläche des CustomGPTs mit Nennung der Feedbackschwerpunkte und Möglichkeit zur Schnellnavigation

Wirksamen Literaturunterricht planen und KI koaktiv als Denkpartner einbeziehen geht das? Dieses Fachseminar Deutsch (2025/26) meint ja.

Vorweg:

In einer Kultur der Digitalität kann menschliches, auch zusätzlich KI-unterstütztes Co-Planning (siehe „Co-Planning im Referendariat – vom Modell zur Seminarpraxis“ von David Wieczorek, Svea Kowalk und mir) ein Schlüsselmoment professioneller Entwicklung sein: Es eröffnet den Übergang von routinierten Handlungsmustern hin zu einer forschenden Praxis. 

In ko-konstruktiven Planungs- und Reflexionsprozessen wird begründetes Überdenken zum Motor professioneller Entwicklung und führt (nicht nur angehende) Lehrkräfte aus isolierten Arbeitsweisen hin zu gemeinsam verantworteter Unterrichtsentwicklung. 

Dabei kann auch KI als koaktiver Denkpartner Reflexionsprozesse strukturieren, Begründungslücken sichtbar machen und zur fachlichen Prüfung von Planungsentscheidungen beitragen. Diese Funktion zeigt sich weniger in der Generierung von Vorschlägen als in der gezielten Nachfrage.


Genese:

An diese Perspektive – auch im Sinne einer habituellen Transformation durch ko-konstruktive Praxis – knüpft unsere Arbeit im Fachseminar an: Über vier Quartale hinweg reflektierten wir Kriterien lernwirksamen, also fachlich gehaltvollen und kognitiv aktivierenden, Deutsch- und Literaturunterrichts, insbesondere im Zusammenspiel von: 

  • Fachlichkeit und Gegenstandsorientierung,

  • fachdidaktischen Denkbewegungen,

  • Tiefenstrukturen, hier v.a. der kognitiven Aktivierung,

  • Ergebnissicherung und Anschlusskommunikation sowie

  • Möglichkeiten zur Unterrichtsöffnung.

Im Zuge der Beschäftigung mit Planungsentscheidungen und Koaktivität entstand zunehmend die Frage, wie diese Kriterien für konkrete Planungs- und Reflexionssituationen nutzbar gemacht werden können. Vor diesem Hintergrund entstand unser Chatbot als koaktiver Denkpartner, der diese Kriterien durch gezielte Rückfragen, Prüfimpulse und Strukturierung zugänglich macht und damit Planung und Reflexion im Literaturunterricht mit KI anschlussfähig gestaltet:

https://chatgpt.com/g/g-697dc28134748191938789acc3a8c68f-lernwirksamen-literaturunterricht-planen


Fachdidaktische Überlegungen:

Als Sparringspartner unterstützt der Chatbot dort, wo lernwirksamer Unterricht entsteht: Im Zusammenspiel von Gegenstands- und Schüler*innenorientierung sowie fachdidaktischen Denkbewegungen. 

In diesem Zusammenhang wird Literaturunterricht mit dem Chatbot als Denkpartner so geplant und reflektiert, dass die Lernenden beispielsweise irritiert werden, fragen, prüfen, verwerfen und somit auf hermeneutische Art und Weise in Aushandlungs- und Deutungsprozesse treten. All dies wird durch gezielte Frageimpulse und Hinweise zur Weiterarbeit angestoßen und strukturiert – ein Prozess, der im Sinne literaturdidaktischer Phasenmodelle (so zum Beispiel Kreft oder Frederking) als Grundlage vertieften Textverstehens gilt:

  • Wo entsteht eine echte Verhakung im Text?

  • Welche Fragen treiben das Verstehen voran?

  • Wie wird aus Beobachtung eine begründete Deutung? 

Bedeutsam erscheinen vor diesem Hintergrund auch die Tiefenstrukturen guten Deutsch- und Literaturunterrichts. Der Chatbot berücksichtigt bei der Planung und Reflexion neben diesen und weiteren bewährten fachdidaktischen Modellen auch unterschiedliche fachdidaktische Zugänge (analytisch, produktionsorientiert oder handlungsorientiert). Diese werden nicht als Ablaufpläne verstanden, sondern als Instrumente zur Analyse und Gestaltung von Tiefenstrukturen, insbesondere im Hinblick auf kognitive Aktivierung, konstruktive Unterstützung und Deutungsprozesse. Dadurch werden Erkenntnisse der Unterrichtsqualitätsforschung sowie weiterführende signifikante Effektstärken der internationalen Bildungsstudie „Hattie“ im Rahmen von Unterrichtsplanung und -reflexion berücksichtigt und zur Reflexion der Qualität von Lernprozessen genutzt.

Auch in Bezug auf zentrale Querschnittsaufgaben von Schule und Unterricht, beispielsweise Sprachbildung und Sprachsensibilität,  Medienkompetenz, Unterrichtsöffnung (bspw. über den Schieberegler von Ingerfeld + Laube) und Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE), unterstützt der Chatbot nicht additiv, sondern funktional, indem diese Aspekte auf ihre Bedeutung für fachliche Lernprozesse hin befragt werden. Dabei werden entsprechende Aspekte nicht isoliert ergänzt, sondern im Hinblick auf ihre Funktion für das Verstehen und die Gestaltung von Lernprozessen – auch reihenbegleitend – geprüft. Damit knüpft der Chatbot an die zuvor beschriebenen Denk- und Deutungsprozesse an und erweitert diese um übergreifende Perspektiven. 

Der Systemprompt im Blick:

Die beschriebenen fachlichen und didaktischen Überlegungen bilden die Grundlage des Chatbots: Sie sind im Systemprompt, im zugrundeliegenden Wissensdokument sowie in begleitenden Anhängen so angelegt, dass sie die Interaktion des Chatbots strukturieren und inhaltlich fundieren. Dabei bestimmt der Systemprompt die Struktur und Interaktionslogik. Die Anhänge (bis zu 20) machen diejenigen normativen, fachlichen und überfachlichen Grundlagen transparent, die als OER frei verfügbar sind. Weitere Sekundärtexte wurden im Seminar erschlossen, mit KI-Unterstützung systematisch verdichtet und im Wissensdokument als Bezugsrahmen aufbereitet. 

Ganz konkret haben wir darüber hinaus neben zentralen Bewertungsfragen, bspw. dem Lernzuwachs, der Unterrichtsöffnung oder der Anschlusskommunikation, insbesondere an folgenden Vorgaben gearbeitet: Gesprächseinstieg, Gesprächsführung und Impulssetzung, kognitive Aktivierung, Didaktik und Aufgabenlogik, normative Bezüge inklusive der Anforderungsbereiche des Faches Deutsch sowie die Lernausgangsdiagnose. Entsprechende Schwerpunkte und Autor*innen, auf die im Dialog aktiv durch die Nutzenden zurückgegriffen werden kann, sind in der Oberfläche sichtbar vorangestellt.

Den dazugehörigen Systemprompt findet ihr zum Überführen in eure Arbeitszusammenhänge hier:

https://zumpad.zum.de/p/GPT_Literaturunterricht_Systemprompt


Erste Feedbackschleife: 24. Bundesweite Expertinnen- und Expertentagung Lehrkräfteausbildung (26./27.02.2026 in Soest)

Agenda zu unseren beiden Workshops:
Menschliches Co-Planning und Koaktivität mit KI in der Lehrkräfteausbildung.

Bei der Expert*innentagung in Soest 2026 konnten Svea Kowalk, David Wieczorek und ich stellvertretend für das Fachseminar Deutsch (2025/26) im Rahmen unseres Workshopangebots „Menschliches Co-Planning und Koaktivität mit KI in der Lehrkräfteausbildung – Seminarpraxis in einer Kultur der Digitalität“ erste Rückmeldungen von bundesweit tätigen Fachleiter*innen, Dezernent*innen, Universitätslehrenden, Schulleitungsmitgliedern sowie Lehrkräften zum Chatbot gewinnen und nutzbar machen.

Wertschätzende Stimmen betonen insbesondere die Funktion als Denkpartner: Der Chatbot gebe Impulse, mache mögliche Stolperstellen sichtbar und unterstütze dabei, Lernschwierigkeiten frühzeitig zu antizipieren. Damit trage er vor allem zur kognitiven Aktivierung der Lehramtsanwärter*innen und Lehrkräfte bei, indem er Denkprozesse insgesamt anrege, statt fertige Lösungen zu präsentieren. 

Kritische Stimmen hingegen monieren, dass der Chatbot eigenes Nachdenken ersetze, anstatt es zu unterstützen. Dem ist jedoch entgegenzusetzen, dass eine sachdienliche Nutzung des Chatbots ein hohes Maß an Professionalisierung voraussetzt. Nur wer in der Lage ist, Rückmeldungen gezielt einzufordern und diese einzuordnen, dann zu prüfen und wiederum gezielt zur Überarbeitung zu nutzen, kann den Chatbot gewinnbringend einsetzen.

Auf dieser Grundlage eröffnet sich zugleich eine weiterführende Perspektive: Der Einsatz von KI kann selbst zum Motor professioneller Entwicklung werden. Entlang zentraler Prinzipien der Unterrichtsplanung – wie Interdependenz, Variabilität und Kontrollierbarkeit – lässt sich die Arbeit mit dem Chatbot als reflexiver Prozess gestalten. In diesem Sinne ermöglicht der Denkpartner nicht nur Unterstützung, sondern auch forschendes Lernen und somit Raum für Professionalisierung: Richtig eingesetzt, führt der Chatbot damit eben nicht zum Deskilling, sondern kann im Gegenteil professionelle Urteilskraft gezielt schärfen.

Habt ihr nach der Lektüre und dem Ausprobieren unseres Chatbots Rückmeldungen? Ebenso wie hermeneutische Suchbewegungen unabschließbar sind, bleiben auch die Möglichkeiten zur Überarbeitung und Modifikation unseres Chatbots vielfältig. Entsprechend freuen wir uns über Feedback und Anpassungsvorschläge:

https://zumpad.zum.de/p/GPT_Literaturunterricht_FSD


Ausblick:

Wir sind der Auffassung, dass menschliche Kollaboration, Co-Planning und KI-gestütztes Feedback einen wesentlichen Beitrag zu einer zukunfts-, prozess- und anliegenorientierten Fachseminararbeit bilden. Das menschliche und KI-gestützte Feedback soll in diesem Zusammenhang kritisch-konstruktiv und fachlich begründet sein sowie zur Weiterarbeit anregen – Stärken sollen knapp gewürdigt werden. Vor allem sollen unterrichtsrelevante Entwicklungspotenziale herausgearbeitet werden. Ein anbiedernd-devoter Ton sowie oberflächliches Lob ohne fachliche Begründung sollen vermieden werden. 

Vor diesem Hintergrund kann der Chatbot eine zeitgemäße Professionalisierung von (angehenden) Deutschlehrkräften nachhaltig fördern, indem er bei der Planung, Analyse und Reflexion von Literaturunterricht fachlich fundiert und dialogisch begleitet. Eine besondere Rolle nimmt in diesem Zusammenhang auch das Co-Planning ein, das einen gemeinsamen Denk- und Entwicklungsraum eröffnet, in dem Unterrichtsqualität ebenfalls dialogisch entsteht. Beide Überlegungen, der Chatbot als Denkpartner und das Co-Planning, ergänzen sich im Zuge von Unterrichtsplanung und -reflexion symbiotisch und stellen das begründete Überdenken in den Mittelpunkt der (Ausbildungs-)Arbeit.

Zugleich kann der Chatbot als Haltungsfrage und somit als Beitrag zu einer veränderten Prüfungs- und zu einer positiven Fehlerkultur verstanden werden: Formatives Feedback gibt Anlass zur fachlichen Weiterarbeit – verbunden mit dem Zutrauen, dass Lehrkräfte ihre Planungsentscheidungen eigenständig prüfen und weiterentwickeln können und wollen. Im Sinne der 4K-Zukunftskompetenzen rückt der Chatbot nachhaltige Fachdialoge, kreative Lösungsansätze und kritische Reflexion in den Mittelpunkt, kann zur Vernetzung über das Fachseminar hinaus beitragen und Modell stehen für kooperative Teamstrukturen im Schulalltag

von links nach rechts: Svea Kowalk, Alexandra Claßen, Tabea Rattay, Lydia Sokolow, Catrin Ingerfeld-Bloemertz, David Wieczorek, Maurice Krüger, Florinda Bierholz, Stephan Leven, Anna Offermanns (FS Deutsch am ZfsL Mönchengladbach, 2025/26)

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Nachdenken über KI-Didaktik und KI im Deutschunterricht